Als vor vielleicht zwei Jahren das Windows XP-Pro auf meinem Laptop einen Schaden am Bootsektor erlitt, reparierte ich das System mit einer – ja höchstwahrscheinlich illegalen – Corporate-CD. Allerdings blieb mir auch keine Wahl, denn zu der legalen Version auf dem Laptop habe ich bis Heute keine bootfähige Installations-CD sondern nur die möglichkeit auf Knopfdruck die komplette Festplatte in den Urzustand zurückzuversetzen (und damit alle installierten Programme und sämtliche Daten zu verlieren.)
Nachdem ich auf die Recovery aus verständlichen Gründen keine Lust hatte führte ich also eine Reparaturinstallation mit der vom Laster gefallenen CD eines Bekanten durch – schließlich verfügte ich über eine legale Lizenz für das Produkt, warum sollte ich mich also um die Herkunft der Installationsdatei kümmern? Die Reparatur glückte, alles kein Problem… ich wurde auch nicht nach einem Produktkey gefragt. Erst viel später als Microsoft das "Genuine Advantage" Programm startete, um gegen Softwarepiraten vorzugehen bemerkte ich, dass mit der Reparatur meine Version mutiert war. Es handelte sich nicht mehr um die legale OEM Version sondern nunmehr um eine illegale Corporate-Installation.
Gefahr erkannt Gefahr gebannt? Ich führte das von MS bereitgestellte Skript aus, um den Produktkey zu wechseln und wollte wieder auf den legalen Key wechseln, der auf dem MS-Siegel hinten auf dem Laptop prangt. Leider machte mir hier Microsoft einen Strich durch die Rechnung, denn offenbar ist man an legalen Produktkeys überhaupt nicht interessiert – das Skript verweigerte den Dienst, denn der Key passe nicht zur installierten Corporate Version (ja, klar, er gehört ja zu der OEM Version, die ich mit der geklauten Corporate repariert hatte). Es war mir also nicht möglich den Zustand zu ändern… Vorgeschlagen wurde in vielen Fällen in diversen Internet-Foren, dass man doch eine Repaturinstallation mit der OEM-Installations-CD durchführen solle – und damit biss sich dann auch schon das ganze Problem inklusive Vorgeschichte in den Schwanz, denn genau so eine CD hatte ich ja nicht.
Sollte ich mir jetzt auch noch irgendwo eine geklaute OEM-CD besorgen, um wieder meinen legalen Key benutzen zu können???
Ich wartete also erstmal ab… die sicherheitskritischen Updates gab es auch weiterhin und auf die optionalen konnte ich wohl eine Weile verzichten. Für die Umstellung auf SP2 fand sich dann irgendwann ein "Workaround" und so lebte ich weiter mit einer geklauten Version aber dem guten Gewissen eine legale Lizenz zu besitzen, die ich ja nur zu gerne auch aktivieren würde.
Letzte Nacht schaufelte die Funktion für automatische Updates den neuen Internet-Explorer auf das System. Da ich sowieso Firefox einsetze ist mir der IE nicht weiter wichtig, aber bei der Installation des Updates motzte mich die WGA-Prüfung wieder einmal an und beschuldigte mich der Piraterie. Nachdem ich das nicht auf mir sitzen lassen wollte machte ich mich von neuem auf die Suche, ob es mittlerweile einen offiziellen Weg gibt nach einer Reparaturinstallation mit einer falschen Version wieder auf die ursprüngliche umzuschalten. Und tatsächlich, ein WGA-Tool, das nicht nur erlaubt den Key zu ändern, sondern auch genau dieses Umbasteln auf das zum Produkt passende Produktderivat erledigt. Flux war das Programm von Kleinweichs Server heruntergeladen und gestartet, es fragte den legalen Produktkey ab, informierte mich, dass Windows danach neu aktiviert werden müsse (ok, dann ist es ja legal und das sollte klappen) und begann mit der Arbeit.
Auf halbem Weg stürzte es ab.
Ich bootete den Rechner neu, und so wie es aussah hatte das Programm seine Tätigkeit aber ausreichend weit abgeschlossen, denn ich wurde statt mit einem Login-Screen mit der Zwangsproduktaktivierung begrüsst. Eine Aktivierung per Internet misslang – der Server sei nicht erreichbar, ob es an den Netzwerkverbindungen scheiterte oder am Willen den Programms konnte ich leider nicht feststellen – also wählte ich die Aktivierung per Telefon. Nach dem eingeben endloser Zahlenkolonnen informierte mich die Computerstimme am anderen Ende der Leitung darüber, dass die Version leider nicht verifiziert werden könne und man würde mich mit dem nächsten freien Kundenbetreuer verbinden.
Leider sind diese nur von 8 bis 22 Uhr anzutreffen und damit stand ich dann erstmal da… Im Besitz einer legalen Lizenz, mittlerweile auch von einem System das deren Produkt-schlüssel akzeptiert hat, aber die Zwangsaktivierung ist nicht durchführbar und damit verweigert mir Windows den Login. 9 Stunden lang kann man nun das Notebook in die Ecke stellen, oder statt der Gebührenfreien Nummer im Inland evtl. versuchen einen Microsoft-Kundenbetreuer in einer anderen Zeitzone anzurufen, aber dies natürlich nur gegen internationale Telefongebühren…
Ich überlegte kurz, ob ich das Problem wieder mit einer Piratenversion aus dem Weg räumen sollte, denn diese funktionieren ja anstandslos ohne Aktivierung…
Heute Morgen rief ich also wieder den Telefoncomputer an, gab abermals die langen Zahlenkolonnen ein von denen ich ja schon wusste, dass sie mir nicht weiterhelfen werden und wartete darauf nun endlich ein menschliches Wesen sprechen zu dürfen. Nachdem ich der Dame dann versichert habe, dass die Version nur auf diesem Rechner installiert sei und dankend ablehnte an einer Umfrage über Kundenzufriedenheit teilzunehmen (vielleicht hätte ich das mal machen sollen – die genervten Leute sagen da wohl immer nein und so kommt MS zu seiner tollen Statistik über zufriedene Kunden…) sagte mir der Computer 7 Gruppen a 6 Zahlen an, die ich eingeben musste. Danach gestattete mir XP gnädigerweise wieder mich anzumelden und meine legale Version auch zu verwenden.
7 Gruppen a 6 Zahlen…. 7 * 6 … 42!