Ganz Deutschland ist mit DSL versorgt. Ganz Deutschland? Nein! Viele viele einsame Dörfchen leisten erbitterten Widerstand… So auch mein Heimatkaff in dem ich mich derzeit über die Feiertage aufhalte.
Weitab vom Trubel der Großstadt geht hier alles noch etwas ruhiger zu. Während sich die Bits in Berlin beim durchfliegen meiner DSL Leitung nur als verschwommene Schemen wahrnehmen können bleiben sie hier in der Leitung des Modems auch durchaus mal ein paar Sekunden stehen und halten einen kleinen Plausch wenn denn schon mal jemand entgegenkommt in der einsamen schmalbandigen Gasse. Grob gerechnet ist mein Anschluss in Berlin ca. 400mal Schneller als das Modem hier… Unglaublich, dass man früher so leben konnte.
Die Webseiten der heutigen Zeit sind überhaupt nicht mehr richtig bedienbar – es sei denn man hat vor jedem Klick ein paar Minütchen Zeit. Besonders Ärgerlich sind hier Seiten die das durchklicken total unnötiger Zwischenstopps erfordern oder Deeplinks abfangen – von Werbebannern und Popups ganz zu schweigen. Undurchdacht wirkt da auch die Update-Funktion des Virenscanners, die sich nicht abschalten lässt und jedesmal nach herstellen der Verbindung frische Daten aus dem Netz holen möchte. Wobei alleine schon das Herstellen der Verbindung einem Abenteuer gleicht. Man lauscht aufmerksam den 20 Sekunden Rauschen und Kreischen in denen die beiden beteiligten Modems die Verbindungsgeschwindigkeit aushandeln und wartet gespannt ob es diesmal für mehr als 42 kBit reicht oder doch wieder mal nur 22 rauskommen.
Aber bleiben wir fair – die Zivilisation ist auch nicht komplett an diesem Ort vorbeigegangen. Immerhin gibt es durchaus Strom und fließend Wasser, der Handyempfang ist zumindest über das Roaming beim Rosa Riesen möglich und die Kinder bekommen hochtechnische Weihnachtsgeschenke. Meine fast 10 jährige Nichte bekam z.B. von meiner Schwester einen Nintendo DS Light. Allerdings dürfte meine Schwester das bereits bereuen, denn während der Rest der Familie versuchte sich am Tisch zu unterhalten saß meine Nichte auf der Couch und brüllte ihren Nintendo-DS bzw. den virtuellen Hund darin an. "Saaaaaly Saaaaaaaaaaaaaaaly Sääääääääääääääääähhhhhllllliiiiieee – Oh Mama, das ist voll der dumme Hund" ……. Liebe Spieleentwickler… Ja, die interaktion über Mikrophon und Lautsprecher ist noch relativ innovativ aber bitte denkt doch auch mal an die Mitmenschen. Wer möchte denn z.B. im Bus oder in der Bahn oder überhaupt sonst irgendwo ein Kind sitzen haben, das verzweifelt und frustriert ein kleines rechteckiges Stück Plastik anbrüllt um ein auf einem kleinen Bildschirm dargestelltes Hündchen dazu zu bringen Sitz zu machen? Ist das nicht alles ein klein wenig pervers? Ein echter Hund kostet da bestimmt weniger Nerven
allerdings kann man den zugegebenermaßen auch nicht in den Ferien ausschalten und ins Regal legen…
In diesem Sinne: Frohe Weihnachten allen geneigten und wirklich schiefen Lesern.