Archiv für die Kategorie ‘Gedanken’

Sechs

Manchmal wünsche ich mir so etwas wie einen Reset-Taster fürs Hirn… eineMöglichkeit festgefahrene oder wild durcheinander rasende Gedanken undErinnerungen einfach wegzuknipsen und von einem sicheren Grundzustand neu zubooten. Der Mensch ist aber kein Computer… wäre er einer würde er sichwahrscheinlich ständig aufhängen…

Ich habe mich Gestern mit jemandem darüber gestritten, was Liebe ist und wasnicht… bzw. ob man Liebe oder im übertragenen Sinne "sein Herz"verschenkt, wann und unter welchen Voraussetzungen man das tun darf. Derjenigevertritt die Ansicht, dass ein anderer sich so etwas verdienen müsse unddass man es keinesfalls am Anfang einer Beziehung schon hergeben darf, weil manes nur einem einzigen Menschen geben kann…

Ich halte das für unsinnig… meiner Ansicht nach kann man sich Liebe nichtverdienen, sie wird immer nur geschenkt. Echte Liebe bedarf auch quasi keinerGegenleistung – sie ist einfach. Sicherlich braucht sie Zeit und Chancensich zu entwickeln, aber wenn sie da ist, ist sie da. Und man kann sie auchnicht einfach zurücknehmen, vergessen oder ungeschehen machen.

Für alle Menschen, die ich mal richtig geliebt habe empfinde ich auch immernoch etwas. Und es wird auch immer etwas anderes sein als nur Freundschaft.Sicherlich wird man nicht mehr das von ihnen erwarten oder das zulassen was manfür einen Partner reserviert – aber ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dassjeder Mensch dem ich Liebe geschenkt habe (sei es in einer Beziehung, Affäreoder einer Freundschaft gewesen) immer mehr Einfluss auf mich haben wird alsdie anderen Menschen. Im positiven wie im negativen.

Wenn ich jemanden liebe, dann gebe ich ihm damit Einfluss auf mein Leben -er wird es damit verändern für immer. Meiner Ansicht nach ist es nicht möglichehrlich geliebt zu haben, wenn man danach noch derselbe Mensch ist wie zuvor.Man wird sich immer dabei verändern. Nicht zwangsweise in dem Sinne, dass manetwas verliert, denn man nimmt auch immer Erfahrungen und Gefühle anderer dabeimit, aber es ist nie ein "fairer Tausch"… Liebe ist nichts, das mangegeneinander aufrechnen kann und dann eine Bilanz zieht.

Sieben

Die Wahrheit ist eine seltsame Einrichtung. Jeder von uns hat seine eigeneund die Realität ist eine Art Konsens darüber, welche Aspekte der Wahrheit vonanderen Menschen ebenso gesehen werden können.

Speziell was Gefühle angeht formen wir die Realität aber selbst, niemandkann in die Herzen anderer Menschen hineinsehen und wirklich erkennen, was siefühlen und was nicht. Letztlich kommt es nur darauf an, was wir glauben und wieweit wir gehen können und wollen, um uns und anderen zu zeigen, was wir fühlen,bzw. wie ernst es uns damit ist. Oft wird man missverstanden oder gibt einfachauf.

Ängste und Zweifel hindern uns daran, glücklich zu sein, wenn wir eskönnten. Verdrängen und Vergessen scheinen viele als das Patentrezept gegen denKummer zu sehen, der daraus entsteht. Wenn wir einen Menschen finden, der unsetwas bedeutet und es nicht schaffen darauf etwas aufzubauen, oder glauben esnicht zu können, dann verlangt man von uns, dass wir es irgendwann aufgeben undvergessen. Offenbar besteht ein Konsens darüber, dass dies eine hilfreiche undrichtige Entscheidung sei.

In meinen Augen ist dies aber eine Abwertung der Gefühle, die dahinterstehen. Es mag ja sein, dass dies eine falsche Ansicht von mir ist, aber ichdenke, dass man ehrliche Gefühle für andere Menschen nicht einfach verdrängensollte… sie sollten es einem wert sein darüber nachzudenken, auch wenn es wehtut… sie sollten es wert sein Zeit und Energie zu investieren um siegemeinsam zu entwickeln oder zumindest zu verstehen.

Es gibt immer Gründe wegzulaufen … aber was wirklich tragisch ist, istdass es eigentlich für das Glück letztlich nur bedeutend wäre, die Gründe zusehen, die dafür sprechen zu bleiben und für die wirklich wichtigen Dinge imLeben zu kämpfen.

Weihnachtsgefühle

Es ist schon erstaunlich, welches Spektrum an Dramen sich auf einer ganz normalen Weihnachtsparty entfaltet. Wieso hat speziell das angebliche Fest der Liebe diese seltsame Auswirkungen auf die Menschen? Gefühle kommen an die Oberfläche – gute wie schlechte – und bevor man es sich versieht, wird die Hälfte der Partygäste nur noch von ihren Emotionen gesteuert.

So dumm es aber auch klingt… ich mag das… irgendwie wirkt das alles ehrlicher als das kontrollierte Verhalten, bei dem man allenthalben hinter vorgehaltener Hand erfährt, was vor sich geht. In diesem Sinne Leute.. vertragt euch wieder – das Leben ist eben eine Kette von emotionalen Fettnäpfchen, in die man bisweilen eben reintapst, und wenn man sich zu sehr damit beschäftigt, darüber nachzugrübeln, was einem am Leben gerade alles nicht passt, vertut man die Chance die Dinge zu finden, auf die es wirklich ankommt.

Welten im Wandel

Übermorgen um diese Zeit bin ich irgendwo auf der Autobahn zwischen Darmstadt und Berlin. Hoffentlich passen meine erstaunlichen Mengen an Krempel, die aus den Tiefen der Schränke und Regale ihren Weg in Umzugskisten gefunden haben, auch komplett in den Sprinter.

Gestern war ich sozusagen zum letzten Mal in Darmstadt unterwegs, bin beim Friseur vorbeigetapst und habe mir angesichts des bevorstehenden Lebensumbruchs auch eine neue Frisur verpassen lassen ;-) Der nette Bub, der mir die Haare geschnitten hat war übrigens so süß, da ss ich schon fast bereut habe aus der Stadt wegzuziehen <g> Aber die Tatsache, dass ich jetzt erst das Stempelbriefchen voll habe und so den nächsten Schnitt kostenlos bekommen würde ist mal wieder typisch. Nunja, vielleicht komm ich ja zu Weihnachten mal ins Land und kann dann einen Abstecher nach Darmstadt machen, um den Gutschein einzulösen (und vielleicht ist ja auch der süße Friseur wieder da ;-) ).

Ab nächste Woche ist erstmal alles neu…

Aus Fehlern muss man lernen…

Ein Tor, der Fehler macht aber ein noch größerer Tor, dersie nicht wahrhaben will und sich damit um die Möglichkeit beraubt aus ihnen zulernen.

Mit der Liebe ist es so eine Sache, man verliebt sich, kommtsich schnell näher, gibt sich Zuneigung, Sicherheit und Nähe und dann wenn dieerste Verliebtheit verfliegt steht man auf einmal im Regen. Denn wenn dieersten Strohfeuer abgebrannt sind muss man die verbleibende Glut schüren, damitetwas Dauerhaftes und Mächtigeres daraus hervorgehen kann. Wenn aber nur einervon beiden dazu bereit ist, ist es sinnlos.

Man beginnt nach Gründen zu suchen, macht Vorwürfe gegensich selbst und gegen den Partner und verbittert. Wo letztendlich die Fehlerlagen fragt man sich… war es nie mehr als Verliebtheit? Hat der Partner einemnur etwas vorgemacht? Hat er es vielleicht nie so gemeint?… das sind Vorwürfedie man eigentlich nicht erheben sollte und doch hab ich sie erhoben. Das warfalsch. Natürlich war mal mehr da und natürlich hat er es so gemeint aber das heißtnicht, dass es sich deswegen retten lässt. Die Liebe ist nur in den Märchenallmächtig, im täglichen Leben scheitert sie immer wieder und die Gründe dafürsind verschieden.

Vielleicht hätte man nicht so schnell handeln sollen amAnfang. Vielleicht hätte man der Sache einfach viel mehr Zeit geben müssen.Vielleicht hätte man auch nicht bereitwillig alles investieren sollen, ohneeine Gewisse Form von Eroberung und Kampf zu erwarten. Denn wenn der Partnernichts tun muss, um die Zuneigung und Geborgenheit zu bekommen, die er sichwünscht, kann er ihr vielleicht nicht den nötigen Wert beimessen. Sie wird inder Beziehung selbstverständlich und ihre Bedeutung verblasst immer mehr.

In der Position dessen, der den Sprung von Verliebtheit zuLiebe geschafft hat, ist man hilflos. Man kann den Gegenüber weder überzeugennoch sonst wie dazu bringen, den Schritt zu machen und in Gefühle zuinvestieren. Liebe und Zuneigung muss aus freien Stücken gegeben werden, nichtauf Grund von Pflichtgefühl oder Moralvorstellungen. Genauso wenig aber sollteman sie ohne Gegenleistung und zu schnell verschenken.

Es ist schwer das Gleichgewicht zu waren, wenn große Gefühleins Spiel kommen. Zweite Chancen sind ein schöner Traum, aber man darf aufkeinen Fall darauf warten. Genauso sollte man auch keine Blanko-Checksausstellen und aus der verzweifelten Liebe heraus ewige Persilscheine dafürausstellen, dass der, der einen fallengelassen hat, wieder und immer wiedereine Chance erhält.

Es ist traurig etwas loszulassen, das man liebt. Es istbitter Fehler zu erkennen, die vielleicht dazu geführt haben. Und es istquälend, sich die ewigen „was wäre wenn“ – Fragen zu stellen. Das Beseitigen vonAssoziationsankern, die Erinnerungen hervorrufen, das Herbeiführen von Veränderungen,Ablenkung, sich aus dem Weg gehen, Neuanfang, der Versuch etwas daraus zulernen… das ist das einzige was einem in der Situation bleibt.

Vielleicht sieht man sich eines Tages wieder… aber wer diebeiden Menschen dann sein werden, ob sie noch leben und lieben können und obsie einander noch erkennen werden… wer weiß das schon.

Plan B

Was soll man tun, wenn man Angstdavor hat, in Depression und Stagnation zu versinken und sich selber immer mehreinzusperren? Weglaufen ist nur eine kurzfristige Lösung und da sich die Tageder Flucht nun langsam dem Ende nähern stellt sich die Frage, wie es danachweitergehen soll. Die Hoffnung, die bekanntlich immer zuletzt stirbt, glimmtnatürlich immer noch, aber sollte sie nicht innerhalb der nächsten Tage gestärktwerden, wäre es vielleicht das gesündeste, wenn ich damit aufhöre an ihrfestzuhalten. Vorausgesetzt ich kann das überhaupt.

Inzwischen nimmt zumindest ein “Plan B” Gestalt an. Ich denke darüber nach, diesmal einen klaren Schnitt zu machen,und mich sozusagen damit an den eigenen Haaren aus dem Loch zu ziehen. Da ichdavor Angst habe wieder monatelang zu versumpfen, plane ich einige klareVeränderungen in meinem Leben sozusagen zwangsweise selbst herbeizuführen, wortwörtlich Dinge der Vergangenheit hintermir zu lassen und woanders neu anzufangen.

Um eine Freundin zu zitieren, dievor kurzem ihr Leben umgekrempelt hat:

Manchmalmuss man Neues wagen.
Manchmalmuss man unbekannte Wege einschlagen.
Manchmalmuss man sein Leben komplett verändern.
Manchmalmuss man springen und sich unterwegs Flügel wachsen lassen!

Die Flucht – Tag 1

Ausbruch aus dem selbstgemauerten Kerker

Nach den Tagen der Folter folgen nun die Tage der Flucht. Nach einer Woche Psycho-terror – den ich mir zugegebenermaßen durch meine Gefühlshörigkeit selbst aufgedrückt habe – hab ich jetzt die Notbremse gezogen und die Kurve gekratzt. Es hat einfach keinen Zweck, mich in meiner kleinen Höhle zu verkriechen, mich zu bemitleiden oder gar im Selbsthass zu baden. Ich kann mit solchen Situationen nicht vernünftig umgehen – gut wer kann das schon von sich behaupten dass er das könne – aber es ist einfach nicht mehr gesund, wenn man sich selber nur immer weiter runterzieht und zerstört.

Natürlich gibt es Freunde, die versuchen einem zu helfen aber zum einen muss man sie auch lassen und zum anderen ist es auch nicht sonderlich einfach sich aus der Ferne helfen zu lassen. Am Ende des Tages, wenn man den Telefonhörer auflegt oder das Notebook zuklappt, ist man wieder alleine mit seinen Gedanken und wenn man den bösen Schatten keine starke Hoffnung entgegenstellen kann, wird man von ihnen überrannt.

Ich denke die wenigsten Menschen wollen grausam sein, aber all zu oft sind sie es ohne es zu merken oder es ändern zu können dann doch. Ich möchte gar nicht wissen, wie oft ich in meinem Leben anderen schon Leid zugefügt habe. Naja falls einer davon das hier liest und sich angesprochen fühlt dann möge er meine ehrliche Entschuldigung akzeptieren.

Gebeutelt von einer Woche in der seelischen Hölle habe ich nicht nur entsprechende "Verbrennungen" zurückbehalten sondern auch beinahe den letzten Rest Kraft verloren. In der Hoffnung ein Zeichen der Zuversicht zu bekommen, etwas Rückhalt und Hoffnung, habe ich wohl genau das erzwungen, was ich gefürchtet habe und was seit letzter Woche in einem unerträglichen Schwebezustand über mir hing.

Nunja, letztendlich hätte ich vielleicht das, was ich jetzt gerade tue lieber einige Stunden früher machen sollen, aber wer kann das wissen. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie wohin mich meine Flucht führt, aber wer sagt "das Leben" hätte keinen Humor hat noch nicht sonderlich viel erlebt in dieser Welt. Die erstaunten und nach dem ersten Anschein auch etwas missbilligenden Blicke meines Chefseelentrösters waren mir jedenfalls gewiss. Wonko befindet sich jetzt auf der Flucht. Nicht gerade unter Mordverdacht wie Dr. Kimble und hoffentlich nicht gar so gehetzt, aber zumindest kann ich so wohl dafür sorgen, die nächsten Tage und Wochen auf andere Gedanken zu kommen, nicht alleine zu sein und so weniger Gelegenheit dazu zu haben weitere Dummheiten zu begehen.

Im Moment sitze ich im Zug, höre Nada Surf und überlege ob ich diese Zeilen überhaupt veröffentlichen werde. Falls ja geschätzer Leser so lasse dir sagen, dass das Gefühl zumindest wieder irgendetwas zu tun, dass einen sozusagen (im Moment wortwörtlich) voran bringt, besser ist als jede Depression in der einsamen Hütte. Also ihr Leidensgenossen da draußen, hebt euren Hintern und rennt, fahrt oder fliegt raus in die Welt.

Habe ich schon erwähnt, dass ich das Bild der am Fenster vorbeifetzenden Schienen liebe? Leider sitze ich grad rechts der Fahrtrichtung am Fenster und kann das Gegengleis nicht sehen, aber die Landschaft und die Oberleitungspfosten tuns auch. Zugfahen hat etwas Befreiendes – es wäre nur nett, wenn die Bahn die Spontaneität ihrer Reisenden nicht so sehr beim Preis bestrafen würde – immerhin kommt es mich aber billiger als der erste verrückte Gedanke das Sparkonto in Flugtickets umzusetzen und ans Ende der Welt zu fliegen.

Schöne Grüße aus dem Zug – auf der Flucht vor den Schatten bei etwas über 220 km/h – auf dass sie mich nicht so schnell einholen mögen oder dann jemand da ist, der mir ein Licht reicht.

Wandelnde Leichen

In Sixth Sense wissen die Geister nicht, dass sie tot sind, und solange sie noch glauben am Leben zu sein verharren sie auf der Erde. Was wäre wenn man selbst im Grunde vor Jahren schon gestorben wäre? Wäre das vielleicht eine Erklärung dafür, dass einmal gefundenes Glück so schnell durch die Finger rinnt und sich in der Dunkelheit verliert? Gehört es einfach jemand anderem und man selbst gerät nur kurzzeitig in den Besitz, weil man im Grunde schon gar nicht mehr da sein sollte? Schlussendlich wird der Fehler aber korrigiert. Glück wandelt sich in Leid. Wieder und immer wieder. Ist das der wahre Lauf des Lebens?

(aus dem fiktiven Werk "Die Gedanken eines enttäuschten Optimisten")