Einträge zum Stichwort ‘Werbung’

Piratendiscount

Gelten Piraten neuerdings als gediegene Geschäftsleute? Wahrscheinlich ausgelöst durch den “Fluch der Karibik” Reihe ist die Seeräuberzeit momentan ja in Mode und angesichts des lustigen Films identifiziert die Breite Masse die Schurken der Meere als lustiges und sympathisches Völkchen. Schwamm drüber, dass man Morden und Brandschatzen geht, bleibt doch irgendwie alles in der Familie und bei der nächsten Buddel Rum lacht man drüber.

Eine großer Elektro-Discounter macht derzeit in den U-Bahn-Höfen Berlins Werbung mit dem Slogan Preis-Piraten. Ob man hier günstig an Hehlerwahre kommt? Oder ist es womöglich eine unterschwellige Warnung, dass der Kunde bei Reklamationen schnell mal über die Planke geht? Für besonders kompetente Beratung oder gar wirklich günstige Preise ( den aufgebrachten Händler kostete der Überfall ja meist das Leben ) sind Piraten ja nun wirklich nicht das richtige Bild.

Ahoi ihr Seebären, Rot und Schwarz sind zwar meine Lieblingsfarben, aber ich bin doch nicht blöd. Ich segle lieber zu einer anderen Insel und lass mich im Fachgeschäft beraten. Beim Kauf meiner Digitalkamera bin ich dabei sogar noch billiger weg gekommen als bei euch und euren Kumpanen mit der blauen Farbgebung. Elektronik kauft man besser dort wo sich jemand damit wirklich auskennt – oder gleich wirklich billig im Internet.

Nein Danke, ich bin doch nicht blöd!

Verfolgungswahn im Werbedschungel

Unsere schöne neue Welt besteht nicht nur in der Architektur immer öfter aus Glas. Auch die Menschen werden von Tag zu Tag durchsichtiger und neugierige Augen lauern überall.

Der Verbraucher kämpft sich wacker durch den Dschungel aus Werbung der er tagtäglich ausgesetzt ist. Löscht die letzten paar hundert Spam Emails aus seinem Postfach, Schüttelt die neue Zeitschrift damit die Werbebeilagen herausplätschern und ihren Weg in den Papierkorb finden, Sortiert seine Post aus dem Klumpen Postwurfsendungen heraus und das alles schon bevor er das traute Heim überhaupt verlässt. Draußen in der Welt geht ist es fast normal, dass man als Stadtbewohner Werbetafeln weit häufiger zu Gesicht bekommt als Pflanzen und selbst auf dem stillsten aller Örtchen ist man nicht mehr verschont.

Beängstigend ist aber, dass sich die Werbeindustrie immer gezielter auf die Details unseres Lebens stürzt. Die "zielgruppenorientierte" Werbung geht langsam aber sicher in eine "personalisierte" Werbung über. Informationen darüber wie sich ein (potentieller) Kunde verhält, welche Dinge er betrachtet, kauft oder verkauft sind hoch begehrt. Viele Informationen hinterlassen wir bereits bereitwillig im Austausch gegen alle möglichen Arten von Treue punkten und freuen uns auf den praktischen Eierwärmer, den wir nach schlappen 1000 Euro Umsatz vielleicht für diese Punkte einlösen können. Wenn wir ganz fleißig waren reicht es vielleicht sogar für den Kugelschreiber.

Einige clevere Geschäftsleute nutzen nun sogar eines unserer elektronischen Lieblingsspielzeuge um uns bei unseren Streifzügen durch den Konsumdschungel zu beobachten. Man peilt die Handys von Kunden im Laden an und ermittelt so ihre Route durch die Regalreihen und nebenbei ganz praktisch bei welchem Netzbetreiber sie ihren Handyvertrag haben. Mag man darüber noch staunen bleibt einem bei einem anderen Werbegag aber fast die Spucke weg. Da gibt es wahre Schockeffekte durch wortwörtlich personalisierte Werbung nach dem Motto "Ich weiß wo du bist und wer du bist". Man stelle sich vor – eines Nachts an einer einsamen Bushaltestelle piepst das eigene Handy und eine SMS verkündet "Ich kann dich sehen, du stehst direkt an der Haltestelle sowieso"… oder jemand schaut Abends seine Daily Soap und wird dabei dann persönlich direkt vom Bildschirm aus angerufen – IPTV würde auch das möglich machen… Wo führt das nur alles hin?

Werbung ist für’n Arsch

Wer kennt sie nicht – Werbetafeln auf öffentlichen stillen Örtchen, die uns selbst dort wo der Kaiser alleine hingeht noch mit nützlichen Produktinformationen versorgen wollen. Aber ist euch schon mal aufgefallen, dass Werbung auf Klos meistens Werbung für Werbung auf Klos ist? Der Vertriebsweg scheint nicht sonderlich erfolgreich zu sein, wenn er hauptsächlich damit beschäftigt ist sich selbst zu vermarkten.

Bereits vor einigen Jahren viel mir mit Erstaunen auf, dass eben jene Werbetafeln auf Autobahnraststätten (und irgendwie nur dort) die mir begegneten so gut wie alle für Kaminöfen warben. Offenbar war damals ein Produktmanager bei einem mittelständischen Kachelofenproduzenten der Ansicht, dass Reisende beim austreten spontan den Wunsch nach einem warmen und heimeligen Ofen verspüren könnten?

Neu war mir allerdings, dass selbst die Klobrille zu Werbezwecken herangezogen wird. Hier las ich heute Mittag den Werbespruch der Discount-Tochter eines großen Telekommunikationskonzerns, der Text auf dem Klodeckel lautete sinngemäß “Toilettenwerbung ist doch fürn Arsch…”.